LEIPZIGER PLATZ ![]() Beide
Plätze im Grenzbereich der Bezirke Mitte und Tiergarten sind topographisch
und historisch eng miteinander verbunden und haben klangvolle Namen in
der Geschichte Berlins. Entstanden an dem im Zuge des Baus der Der
nur etwa 160 mal 160 m große Leipziger Platz In
der ersten Hälfte des 19. Jh. erhielt der Platz eine veränderte
Funktion und ein verändertes Aussehen. Nachdem K.F. Schinkel Der
Potsdamer Platz grenzt unmittelbar westlich an den Leipziger Platz, und
über ihn verläuft die Bezirksgrenze zwischen Mitte und Tiergarten
(1945 bis 1990 Sektorengrenze). Er hieß vor 1831 nach dem an der
Seit
dem letzten Drittel des 19. Jh. entstanden um den Potsdamer Platz mehrere
bedeutende Hotels (u.a. das nach Entwürfen von Ludwig Heim [1844-1917]
1887/88 entstandene Grand-Hotel Bellevue und 1892/93 errichte Palast-Hotel
sowie der 1907 nach Richard Bielenberg [1871-1929] und Josef Moser [1872-1963]
erbaute Fürstenhof), ferner Vergnügungsstätten und Cafés
(u.a. das 1911/12 nach Franz Schwechten [1841-1924] errichtete 6geschossige
Haus Potsdam, ab 1914 Haus Vaterland, mit den Cafés Piccadilly
und Josty, einem beliebten Treffpunkt von Politikern, Schriftstellern
und Künstlern). Am P. lag das 1921 von Otto Rudolf Salvisberg (1882-1940)
zum Funkhaus umgebaute Vox-Haus, 1923 die Geburtsstätte des deutschen
Rundfunks (Hörfunk). Städtebaulich von besonderer Bedeutung
war das 1931/32 von Erich Mendelsohn (1887-1953) entworfene Columbushaus,
einem 10geschossigen Stahlskelettbau im Stil der Neuen Sachlichkeit. Auf
der Platzmitte wurde 1924 nach einem Entwurf von Jean Krämer der
berühmte fünfeckige Verkehrsturm Trotz
der schweren Zerstörungen stand der Potsdamer Platz Der Fall der Mauer eröffnete einen neuen Abschnitt in der Geschichte des P. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten wurde im März 1992 der Nord-Süd-Tunnel der S-Bahn mit dem Bahnhof P. wieder in Betrieb genommen, später folgte auch die Schließung der Lücke in der über den P. führenden U-Bahnlinie. Nach dem Verkauf von Grundstücken 1990/91 [gestr. 3. Aufl.: (die Daimler-Benz-Tochter "debis" zum Beispiel kaufte im Juli 1990 ein 61 710 m² großes Grundstück für 92,9 Mill. DM zum halben Verkehrswert, den der Gutachterausschuß des Landes Berlin erst später ermitteln ließ)] wurde die Neubebauung nach dem 1991 aus einem städtebaulichen Wettbewerb hervorgegangenen preisgekrönten Entwurf der Münchner Architekten Heinz Hilmer (* 1936) und Christoph Sattler (* 1938) begonnen, die eine bis zu 35 m hohe Blockbebauung bei 20prozentiger Verwendung der Bruttogeschoßfläche für Wohnungen vorsah. Die Neubebauung des P. wurde in der Folgezeit zur größten Baustelle Europas, wo nach den Entwürfen von Architekten aus aller Welt (u.a. Helmut Jahn [*1940] / Chicago, Renzo Piano [* 1937] und Christoph Kohlbecker / Paris, Arata Isozaki [* 1931] / Tokio und José Rafael Moneo [* 1937] / Madrid) bis zum Jahre 2002 am und um den Potsdamer Platz mehrere Großinvestoren mit einem Investitionsvolumen von rund 8 Mrd. DM auf 15 ha mehr als 700 000 m² Bruttogeschoßfläche errichten. Dabei werden 17 Mill. Tonnen Sand und Kies, Stahl und Zement verbaut sowie 2 Mill. Tonnen Stückgüter zu den Baustellen transportiert werden. Auf dem Logistikzentrum Gleisdreieck wurden 3 Transportbetonmischwerke errichtet. Großinvestoren sind neben der Daimler-Benz-Tochter "debis" der japanische Elektronik-Konzern Sony mit dem New Yorker Projektentwickler Tishman Speyer Properties und der japanischen Baufirma Kajima GmbH, die Firma A+T, die Stiftung des Kaufhauskonzerns Hertie, die BEWAG, die Deutsche Bahn AG, die Deutsche Telekom AG, die Bundesregierung und der Berliner Senat. Anfang Oktober 1998 wurde mit "Daimler-City" der erste große Gebäudekomplex eröffnet, ein Jahr später mit dem 1,5- Milliarden-Komplex "Sony-Center" (7 Gebäude) der zweite. Die Sony-Europa-Zentrale verlagerte ihren Sitz von Köln nach Berlin. Wo jahrzehntelang verlassen das denkmalgeschützte Hotel "Esplanade" in einer Wüstenei herausragte, entstanden 26stöckige moderne Büro-Paläste, eine überdachte Einkaufszone über 4 Stockwerke sowie der gigantische "Regenschirm" des Sony-Forums, eine in Berlin einzigartige überdachte 4 000 m² große Arena. Es entstanden am Potsdamer Platz Wohnungen und Hotels, ein Musical-Theater, ein Multiplex-Kino mit 8 Leinwänden und das dreidimensionale Discovery IMAX-Theater (in dem allein im ersten Jahr 4 950 Vorstellungen mit 25 000 km Film vor 1,4 Mill. Besuchern liefen), ferner Deutschlands größte Spielbank (10 000 m² auf vier Etagen), gastronomische Einrichtungen, Kindertagesstätten, eine Schule, der "Tilla-Durieux-Park" und der "Henriette-Herz-Park", Wohnungen und Tiefgaragen. Das Hotel "Esplanade" mit dem historischen neobarocken Kaisersaal wurde auf Luftkissen um 75 m verschoben und auf dem Hotel der 12 500 t schwere Neubau Esplanade-Residence schwebend "draufgesetzt". Etwa 20 m unter Straßenniveau entsteht bis 2005 der neue Bahnhof Potsdamer Platz, in Ergänzung zu den gleichnamigen S-und U-Bahnhöfen. Der neue Bahnhof wird ein Ausmaß von 260 m Länge und 50 m Breite (2 Bahnsteige mit 4 Gleisen) haben, rund 260 Mill. DM kosten und die Expreß-Bahnverbindungen Dessau-Stralsund, Wittenberge-Jüterbog und Stralsund-Elsterwerda unter dem Tiergarten über den neuen Lehrter Bahnhof herstellen. Bei der Neubebauung des benachbarten 25 600 m²-Areals des Leipziger Platzes hingegen gab es größere Schwierigkeiten. Sie entstanden, nachdem das ehemalige Wertheim-Areal (27 000 m²) an der Nordseite des Platzes und weitere Grundstücke an die Münchener Investoren Isolde und Peter Kottmair vergeben und nach einem Entwurf des Mailänder Architekten Aldo Rossi (1931-1997) bebaut werden sollten. Ein Streit (u.a. wegen Ungereimtheiten im Grundstücksvertrag zwischen Treuhandliegenschaftsgesellschaft (TLG) und den Investoren sowie Einsturzgefahr des unter dem Leipziger Platz verlaufenden sanierungsbedürftigen U2-Bahn-Tunnels) verhinderte letztlich die Realisierung des 1,2-Milliarden-Projekts. Nachdem bereits 1998 das Mosse-Palais (Baukosten: 100 Mill. DM) an historischer Stelle am Leipziger Platz neu entstanden war, erfolgt nun bis 2003 - bei Wahrung der historischen Achteck-Form des einstigen Weltstadt-Platzes - die Neubebauung gemäß Wettbewerbs-Entscheidungen von 1998. Der Platz soll nach Pariser Vorbild zu einer noblen Flaniermeile mit Luxusboutiquen und edlen Restaurants umgestaltet werden. Auf der Nordseite, an der Nahtstelle zur Ebertstraße, wird u.a. das Gebäude des Deutschen Reisebüros (DER) errichtet, daran angrenzend in Richtung Mosse-Palais, die Kanadische Botschaft. Bebauung und Nutzung des ehemaligen Wertheim-Areals ist nach dem Rückzug von Kottmair ungeklärt. Auf der Südseite des Leipziger Platzes entstehen u.a. das "Haus Knauthe" nach Entwurf von Axel Schultes (* 1943) und das "Palais am Bundesrat" der Züblin GmbH nach Entwurf von Walter A. Noebel (* 1953). Am historischen Stadtort der beiden berühmten Schinkelschen "Torhäuschen am Leipziger Platz" werden zwei einfache, symmetrische Pavillonbauten nach Entwurf des Kölner Architekten Oswald Matthias Ungers (* 1926) errichtet. Quellen
und weiterführende Literatur: (c) Edition Luisenstadt (Internet-Fassung),
2004 |