Hackesche Höfe

Mitte (Spandauer Vorstadt),
Rosenthaler Straße 40/41,
Sophienstraße 6.

Dia-Serie Hackesche Höfe Um 1850 hatte der Kaufmann und Glasfabrikant Hans Quilitz des Gelände Rosenthaler Straße 40 erworben. Er ließ ein Vorderhaus mit zwei Seitenflügeln und eine Badeanstalt im Hof errichten. Seine Erben kauften 1905 die Grundstücke Rosenthaler Straße 41 und Sophienstraße 6 vom Kaufmann Emil Heise dazu, ließen das alte Gebäude abreißen und einen neuen Gebäudekomplex auf einer Grundfläche von 9000 m² durch die „Kurt Berndt Baugesellschaft mbH“ erbauen. Da die Bauakten der Hackeschen Höfe nicht mehr vorhanden sind, ist nicht eindeutig zu klären, ob Kurt  Kontext: Berndt, Kurt Berndt selbst den Gesamtentwurf der Bauanlage aus acht Höfen mit Geschäftshäusern, Läden und Restaurants im Erdgeschoß, einem Festsaalgebäude, einem Fabrikgebäude und Wohnhäusern erstellt hat oder ob er die Architekten G. Reyscher und Johann Hoeniger (1850–1913) einbezog. Die Gestaltung der Fassade und des Festsaales wurde von dem bekannten Jugendstilarchitekten August Endell (1871–1925) vorgenommen. Seine künstlerische Arbeit mit farbigen Klinkern in der Ästhetik des Jugendstils ist das optisch Prägnante der H. Eine Vielzahl großer und kleiner bekannter Firmen zog in die Häuser ein. Hier gründeten Kurt  Kontext: Hiller, Kurt Hiller und Jacob van  Kontext: Hoddis, Jacob van Hoddis 1909 den ersten literarischen Club der Expressionisten, der sich gegen die erstarrte wilhelminische Kultur wandte. 1920 verkaufte die Familie Quilitz das Grundstück an die „Hackescher Hof, Gundstücksgesellschaft mbH.“, deren Alleineigentümer ab 1924 der jüdische Kaufmann Michael Jakob (1894–1979) war. Ab 1932 kam die Hackescher Hof, Grundstücksgesellschaft unter Zwangsverwaltung und 1939 erfolgte die Zwangsvollstreckung. Den Zuschlag erhielt die Emil Köster AG, deren Hauptaktionär der New Yorker Rechtsanwalt Phelau Beale, ein Strohmann des aus New York agierenden Michael Jakob, war. 1949 erfolgte die Enteignung per SMAD-Befehl. 1991 stellten die Erben Rückübertragungsansprüche, die teilweise durchgesetzt wurden. 1994 erfolgte der Verkauf an die Kommanditgesellschaft Hackesche Höfe, Berlin GmbH & Co, eine Objektgesellschaft der Unternehmensgruppe Roland Ernst und Behne, mit der Auflage einer kultur- und wohnverträglichen Entwicklung und denkmalpflegerischen Sanierung. Rund 60 Millionen Mark betrugen die Kosten der Sanierung, die 1995/96 stattfand. Die 1961 abgeschlagene Fassade sollte nicht wiederhergestellt werden. Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben, den das Architekturbüro Weiß & Partner gewann. Die Wiederaufnahme der Endellschen Gestaltung erfolgt durch die farbige Gliederung und den Ausbau des Daches mit Galerie. Heute haben hier die Heinrich-Böll-Stiftung, das Café und Restaurant Hackescher Hof, das Varieté Chamäleon, das Hackesche Hoftheater, Galerien, Werkstätten und Läden ihren Platz gefunden. Zu großen Teilen werden die Häuser der Höfe auch als Wohnhäuser genutzt. Eine verträgliche Mischung von Wohnen, Arbeiten und kulturellem Leben ist entstanden, die ein Magnet auch für Touristen aus dem In- und Ausland geworden ist. Das Gebäudeensemble steht unter Denkmalschutz.

 

© Edition Luisenstadt, 2002
Stand: 19. Mrz. 2002
Berliner Bezirkslexikon, Mitte
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