Stalinallee

Mitte, Ortsteil Mitte
Name ab 3.1.1950
Name bis 13.11.1961
Namen
(früher/später)
Frankfurter Chaussee (um 1824-1872)
Große Frankfurter Straße (vor 1701-1950)
Frankfurter Allee (1872-1950)
Karl-Marx-Allee (1961)
Frankfurter Allee (1961)
Straße auch in Friedrichshain-Kreuzberg (Friedrichshain); Lichtenberg (Lichtenberg, Rummelsburg)
Namens-
erläuterung
Stalin, Josef Wissarionowitsch (eigtl. Dschugaschwili, Jossif Wissarionowitsch), * 21.12.1879 Gori (Rußland), 5.3.1953 Moskau, sowjetischer Politiker.
Der Sohn eines Schuhmachers trat 1894 in ein orthodoxes geistliches Seminar in Tiflis ein. In der Studienzeit schloß er sich der revolutionären Bewegung an. 1898 wurde er Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Rußlands (SDAPR). Wegen marxistischer Propaganda wurde er 1899 des Priesterseminars verwiesen. Seitdem wirkte er als Berufsrevolutionär (Deckname Koba; u. a. Organisation von Streiks und Demonstrationen, Mitglied von Parteikomitees und Mitarbeit an Zeitungen). 1903 schloß er sich den Bolschewiki an. An der Russischen Revolution 1905-1907 nahm er in Transkaukasien teil. 1902-1917 war er wiederholt verhaftet bzw. nach Sibirien verbannt. 1912 in das ZK der SDAPR kooptiert, 1912/13 Mitarbeit an Zeitungen der Bolschewiki, kehrte er im März 1917 aus der Verbannung nach Petrograd zurück. Dem Politbüro der KPR (B) bzw. KPdSU (B) gehörte er seit dessen Bildung an, von April 1922 bis zu seinem Tode 1953 war er Generalsekretär des ZK. In der Sowjetregierung wurde er 1917 Volkskommisar (Minister) für Angelegenheiten der Nationalitäten bzw. für staatliche Kontrolle (1919 - 1922). Als Generalsekretär der Partei seit 1922 baute er seine Machtpositionen systematisch aus und schaltete seine Konkurrenten (u. a. Bucharin, Kamenew, Rykow, Sinowjew, Trotzki) aus den führenden Partei- und Staatsämtern aus. Er führte faktisch den Sowjetstaat und forcierte mit der These vom Aufbau des Sozialismus in einem Lande die Industrialisierung und Kollektivierung, die er gewaltsam mit massiven Repressalien durchsetzte. In der Tschistka (Säuberung) der dreißiger Jahre vernichtete er seine (tatsächlichen und vermeintlichen) Gegner in der kommunistischen Partei, im Staat und in der Armee. In der internationalen kommunistischen Bewegung (er war in der Kommunistischen Internationale von 1925 bis zu deren Auflösung 1943 Mitglied des Exekutivkomitees) betrieb er Säuberungskampagnen gegen sogenannte Trotzkisten und andere als Abweichler bezeichnete Strömungen (Bolschewisierung bzw. Stalinisierung der kommunistischen Parteien). Ab Mai 1941 war er Vorsitzender des Rates der Volkskommissare (1946 in die Funktion des Ministerpräsidenten umgewandelt), nach dem Überfall des faschistischen Deutschlands auf die Sowjetunion ab 30.6.1941 Vorsitzender des Staatlichen Verteidigungskomitees der UdSSR und ab Juli 1941 zugleich Volkskommissar für Verteidigung und Oberbefehlshaber der Roten Armee. Im März 1943 ließ er sich zum Marschall der Sowjetunion, im Juni 1945 zum Generalissimus ernennen. International betrieb er eine Politik der Erweiterung der sowjetischen Einfluß- und Machtsphäre. Stalin nahm an den Konferenzen von Teheran, Jalta und Potsdam teil, die für die deutsche Nachkriegsentwicklung entscheidende Beschlüsse faßten. Innenpolitisch setzte Stalin auch nach 1945 seine Politik scharfer Repressionen fort. Sein außenpolitischer Kurs trug zur Entstehung und Verschärfung des kalten Krieges bei. Er selbst sah sich als Klassiker des Marxismus-Leninismus in einer Reihe mit Marx, Engels und Lenin. Seine Arbeiten (u. a. erschien eine dreizehnbändige Werkausgabe) enthalten eine vulgarisierende Form des marxistischen Gedankenguts. Die von ihm geprägte Interpretation und Anwendung des Marxismus sowie die auf ihn zurückgehenden Herrschaftsmethoden und -formen wurden in der Folge mit dem Begriff Stalinismus charakterisiert. Nach seinem Tode wurde erst auf dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 sein auch sowjetischen Gesetzen entgegenstehendes Wirken - und das nur halbherzig unter dem Mantel der Kritik am Personenkult (ZK-Beschluß "Über die Überwindung des Personenkults und seiner Folgen") - verurteilt. Eine vollständige Rehabilitierung der Opfer blieb aus. Auf die sich als sozialistische Länder verstehenden Staaten war das Stalinsche Gesellschafts- und Staatssystem nach 1945 übertragen worden.
  Die Große Frankfurter Straße und die Frankfurter Allee wurden in Stalinallee umbenannt. Der Abschnitt der Stalinallee von Alexanderplatz bis Frankfurter Tor erhielt 1961 die Bezeichnung Karl-Marx-Allee. Der nach Lichtenberg führende Teil wurde wieder zur Frankfurter Allee.
aktueller Name Karl-Marx-Allee, Frankfurter Allee


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