Podewilsgasse

Mitte, Ortsteil Mitte
Name ab nach 1732
Name bis um 1800
Namen
(früher/später)
Der freie Fahrweg (16. Jh.-nach 1732)
Parochialkirchgasse (um 1800-1862)
Parochialstraße (1862)
Namens-
erläuterung
Podewils, Heinrich Graf von, * 3.10.1695 Suckow, 30.7.1760 Magdeburg, Politiker.
Podewils studierte Jura und Verwaltungswissenschaften und schlug die Verwaltungslaufbahn ein. Im preußischen Staatswesen, das er zum Teil mit formte, machte er unter zwei Landesherren Karriere. Er wurde 1728/29 mit diplomatischen Missionen in Kopenhagen und Stockholm beauftragt. Ab 1730 war Podewils in Berlin ansässig. Der König berief ihn zum Minister für Auswärtige Angelegenheiten. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tode aus. 1732 erwarb Staatsminister von Podewils das Haus in der Kloster-/Ecke Parochialstraße. Für seine Verdienste erhielt er vom Monarchen am 5.11.1741 den Schwarzen Adlerorden und wurde einen Tag später in den Grafenstand erhoben. Während der Schlesischen Kriege wirkte Podewils maßgeblich mit an den Verhandlungen zu den Friedensschlüssen in Breslau und Berlin 1742 und drei Jahre später in Dresden. Er war Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften zu Berlin und schrieb Abhandlungen über die Geschichte Preußens.
  Die Gasse ist auf Karten auch als Podewils Gasse zu finden. Das von Podewils erworbene Haus Kloster-/Ecke Parochialstraße war 1701 bis 1704 nach Plänen von Jean de Bodt als Palais für Hofrat Rademacher errichtet worden. Podewils ließ das Innere mit wertvollen Stuckdecken und prachtvollen Wandgemälden schmücken. Nach Podewils' Tod 1760 wechselte das Palais mehrfach seinen Eigentümer, bis es 1874 der Magistrat von Berlin erwarb. 1875 bis 1880 war hier das neugegründete Märkische Museum untergebracht, dann die Verwaltung der Städtischen Wasserwerke und nach der Bildung Groß-Berlins 1920 das Bezirksamt Berlin-Mitte. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Gebäude schwer beschädigt und wurde 1952 bis 1954 wieder aufgebaut. Seit 1992 ist das Podewil ein für Musik-, Theater- und Literaturveranstaltungen genutztes Zentrum sowie Werkstatt und Begegnungsstätte für einheimische und internationale Künstler.
aktueller Name Parochialstraße


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