Wegscheider, Hildegard

* 2. September 1871 in Berlin
† 4. April 1953 in Berlin
Lehrerin, Schulreformerin

Sie war die erste Abiturientin in Preußen und wurde vom Dekan der Philosophischen Fakultät, Heinrich von Treitschke (1834–1896), mit den Worten abgewiesen: »Ein Student, der sich nicht besaufen kann? Unmöglich!« Daraufhin studierte W. in Zürich und vier Semester in Halle. Nach der Promotion (1898) lehrte sie an der Humboldt- Akademie und gründete die erste Berliner Mädchenschule mit Gymnasialstufe. Die staatliche Anerkennung blieb ihr allerdings verwehrt. Ab 1920 wirkte W., inzwischen zur Oberschulrätin ernannt, im Provinzialschul- Kollegium und regte Aufbauschulen und Arbeiter- Abiturienten- Kurse an. Von den Nationalsozialisten ins Abseits gedrängt, gewährte sie Verfolgten in ihrem Haus Zuflucht. Unmittelbar nach der Beendigung des Zweiten Weltkrieges wandte sich die engagierte Pädagogin in einer Schriftenreihe an alle Mädchen und Frauen. Unter dem Motto »Eine lockende Aufgabe für uns alle« vermittelte sie Hoffnung, Mut und Entschlossenheit für den Neuanfang. Die langjährige Bezirksverordnete von Wilmersdorf fand ihre letzte Ruhestätte auf dem Landeseigenen Friedhof in der Berliner Straße.

© Edition Luisenstadt, 1998
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