Deportation jüdischer Bürger - Mahnmal

Inschrift:
STUFEN /
DIE KEINE /
STUFEN /
MEHR SIND /
EINE TREPPE /
DIE KEINE TREPPE MEHR IST /
ABGEBROCHEN /
SYMBOL DES WEGES /
DER KEIN WEG MEHR WAR /
FUER DIE /
DIE /
UEBER RAMPEN /
GLEISE/
STUFEN/
UND TREPPEN /
DIESEN LETZTEN WEG GEHEN MUSSTEN /
VOM BAHNHOF PUTLITZSTRASSE /
WURDEN IN DEN JAHREN /
1941 - 1944 /
ZEHNTAUSENDE JUEDISCHER MITBUERGER BERLINS /
IN VERNICHTUNGSLAGER /
DEPORTIERT /
UND /
ERMORDET

Technische Daten:
Edelstahl, ca. 50 cm x 50 cm

Standort:
Putlitzbrücke (Tiergarten)
Besondere Ortsangabe: Ostseite, auf der Brücke, am Denkmal
Verkehrsanbindung U 9 bis Westhafen

Deportation jüdischer Bürger 1941 begannen vom Bahnhof Putlitzstraße die verbrecherischen Deportationen jüdischer Mitmenschen in die Ghettos und Todeslager. In der Levetzow-/Ecke Jagowstraße, in der Liberalen Synagoge, hatte die Gestapo 1941 das erste Sammellager für jüdische Bürger eingerichtet. Von dort wurden die Opfer durch die Straßen zum Güterbahnhof getrieben. Der erste Transport verließ mit über 1.000 Menschen am 18.10.1941 Berlin in Richtung Litzmannstadt (Lodz). Zwischen eintausend und zweitausend Personen wurden in den Abendstunden der vielen nächsten Tage und Wochen von der Gestapo und der SS hier zusammengetrieben. Viele Juden wählten noch an dieser Stelle den Freitod. Diesem Transport folgten von diesem Bahnhof bis Ende 1942 noch 25 Transporte in die Vernichtungslager. Ab November 1941 waren die Ziele solcher Transporte auch Minsk, Riga, Warschau, Majdanek/Sobibor und Auschwitz. In ungeheizten Viehwaggons, kaum mit Nahrungsmitteln versehen und bei völlig unzureichenden sanitären Möglichkeiten wurden die Menschen tage- und nächtelang transportiert. Viele von ihnen überlebten schon die Fahrt nicht. Wer noch lebend ankam, erlebte die zynische Selektion, in deren Ergebnis die nicht arbeitsfähigen und alten Menschen sowie Mütter mit ihren Kindern ins Gas geschickt wurden. Vom Oktober 1941 bis zum Frühjahr 1945 wurden auf diese Weise über 35.000 Menschen in den Tod transportiert. 1933 lebten in Berlin 160.564 jüdische Mitbürger. Im Mai 1945 befanden sich in Berlin nur noch 5.990 jüdische Bürger, die zum Teil durch die Hilfe anderer Berliner vor der Deportation bewahrt werden konnten.

Einweihung 15.3.1986
Demontage 29.08.1992
Künstler Haase, Volkmar

Bemerkungen:
Der Text der Gedenktafel ist aus dem Jahre 1960. 1987 schuf der Bildhauer Volkmar Haase im Auftrage des Senats von Berlin ein Mahnmal, das an der Putlitzbrücke enthüllt wurde. Das Denkmal erinnert durch seine Form an ein Grabmal. Weitere Gedenktafeln, die an dieses Verbrechen erinnern, befinden sich in Wilmersdorf, Bahnhof Grunewald.

Literaturhinweise
Berliner Morgenpost vom 15.3.1986
Die Tageszeitung (taz) vom 31.12.1988
Jüdische Geschichte in Berlin, a. a. O.
Wegweiser durch das jüdische Berlin, a. a. O.
Gedenken und Lernen an historischen Orten, a. a. O.
Verfolgung, Vertreibung, Vernichtung, a. a. O.


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